100 Jahre Grundschule: Wir gratulieren!

15.08.2019

Überblick: die vielfältigen Arbeitsbereiche und die vielen Herausforderungen der Grundschule

Grundschule

Als eigenständige Schulform feiert die Grundschule am 31. Juli 2019 ihren 100. Geburtstag. Der Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW, nimmt dies zum Anlass, die Arbeit der Grundschulen zu würdigen und fordert die Politik auf, sich ehrlich anzuschließen.

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Eine Würdigung: Eine für alle – alle in einer

Mit der Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung am 31. Juli 1919 wurde die Grundschule von Klasse 1 bis 4 als obligatorische Schule für alle Kinder erstmals festgeschrieben. Mit dem Ziel, das ständische Schulsystem zu beenden und Schule für einen demokratisch verfassten Staat und eine sich demokratisch entwickelnde Gesellschaft zu sein.

Wir haben dies zum Anlass genommen, um mit dem Bundesvorsitzenden des VBE, Udo Beckmann, über die Institution Grundschule zu sprechen.

Udo Beckmann

- Herr Beckmann, 1919 – 2019, was ist, damals wie heute, die besondere Errungenschaft, die sich mit Grundschule verbindet?

Klare Maxime der Grundschule war damals wie heute, die eine Schule für alle zu sein. Keine andere Schule verwirklicht den Anspruch auf ein inklusives Bildungssystem so wie die Grundschule. Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen, mit und ohne Migrations- oder Fluchthintergrund, mit Elternhäusern, die ihnen schlechtere oder bessere sozio-ökonomische Bedingungen bereitstellen können: Sie alle lernen hier zusammen. Die verbindenden Elemente der Kinder sind vor allem die Neugier und Begeisterungsfähigkeit für Neues. Grundschullehrkräfte können täglich erleben, wie es ist, ganz neue Welten aufzuzeigen, grundlegendes Verständnis für Zahlen und Buchstaben zu erzeugen und die Kinder im Aufbau ihrer Sozialkompetenz zu unterstützen. So wird in der Grundschule die Basis gelegt für den weiteren Bildungsweg. Ohne das Erlernen des Alphabets, des Lesens und des Schreibens können später Texte weder verstanden noch wiedergegeben werden, fallen eigentlich einfache Aufgaben unendlich schwer. Ohne das Rechnen im Zahlenraum bis 10, bis 50, bis 100 gibt es später auch keine Lehre für Automechanik oder das Studium der Betriebswirtschaftslehre.

- Was ist die zentrale Herausforderung von Grundschule?

Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs werden in der Grundschule alle gemeinsam unterrichtet. Doch trotz des gleichen Alters können die Bildungsstände, Erziehungserfahrungen und physischen und psychischen Voraussetzungen für den Schulbesuch sehr unterschiedlich sein. Das ist die große Herausforderung für die Grundschule: Die Kinder in ihrer Unterschiedlichkeit anzunehmen, so dass sie ganz individuell auf ihrem Weg begleitet werden können. Die Beobachtung der Kinder hilft, ihre Talente und Stärken, aber auch ihre Potenziale und Schwächen zu entdecken. So kann ein Kind entsprechend seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert und gefordert werden, um die Grundschulzeit optimal zu nutzen. Denn das muss das Ziel sein: Am Ende dieser vier Jahre (oder wie in Brandenburg und Berlin sechs Jahre) sollen die Schülerinnen und Schüler mit dem Rüstzeug ausgestattet sein, auf den weiterführenden Schulen ihren Weg gehen zu können.

- Wo steht die Grundschule heute, im Jahr 2019?

Diese Leistung, Schülerinnen und Schüler auf ihren künftigen Lebensweg vorzubereiten, darf nicht unterschätzt werden und es darf vor allem nicht erwartet werden, dass sie zum Nulltarif zu bekommen ist. Bildung kostet, denn sie ist etwas wert.Die Entwicklung war jahrelang, Schulen zu schließen und den Lehrkräftebedarf entsprechend komplett veralteter Statistiken zu berechnen. Tatsächlich steigt die Geburtenrate und der hohe Zuzug von Kindern mit Fluchthintergrund, insbesondere im Jahr 2015, führt nun dazu, dass die Lerngruppen immer größer werden. Bundesweit fehlen Lehrkräfte und Lernorte. Diese Entwicklung ist indiskutabel. Wenn an die Grundschule der Anspruch gestellt wird, die Kinder individuell zu fördern, müssen hierfür auch die entsprechenden Bedingungen geschaffen werden.

- Was muss sich konkret verändern? Welche Forderungen stellen Sie?

Die Grundschule ist im internationalen Vergleich unterfinanziert – und das in einem so reichen Land wie Deutschland, in dem die Steuerquellen sprudeln. Das muss sich ändern! Mit ausreichend Investitionen müssen die drängenden Herausforderungen der Grundschule angegangen werden: Die Lerngruppengrößen müssen möglichst klein gehalten werden. Kinder mit Förderbedarfen verlangen nach einer intensiveren Betreuung. Dies muss Lehrkräften entsprechend  „angerechnet“ werden. Sie müssen auf Unterstützungssysteme zugreifen können. Das kann sowohl die Arbeit mit und in multiprofessionellen Teams sein, als auch der administrative Support durch ein stets besetztes Schulsekretariat und eine Person, die sich um die IT-Technik kümmert. Nicht zuletzt fordern wir auch für Grundschullehrkräfte die grundsätzliche Einstufung in die Besoldungsgruppe A 13. Es gibt keine tragfähige Begründung, warum sie schlechter bezahlt werden, als Lehrerinnen und Lehrer anderer Schulformen. Und natürlich müssen die Schulgebäude in einen Zustand versetzt werden, der Lehren und Lernen erst ermöglicht. Das kostet, aber es lohnt sich auch: Für eine Schulform, die alle vereint, in der alle Kinder gemeinsam lernen und in der das Fundament für ihr weiteres Leben gelegt wird.

- Herr Beckmann, vielen Dank für das Gespräch.

Foto: Thomas Jauk

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100 Jahre Grundschule: Bildung wertschätzen

Pressemitteilung des VBE NRW vom 24.07.19

Alle Kinder sollten vier Jahre lang gemeinsam unterrichtet werden – unabhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern. Das war der Beginn der Demokratisierung der Schule in Deutschland. Heute ist die Grundschule die inklusivste Schulform.  

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Webvideo „Gaby Bauer“

Grundschullehrkraft – eine vom Aussterben bedrohte Art?

Grundschule

Kennt ihr schon Frau Bauer?
Sie ist Expertin für Unterricht an der Grundschule.
Eine vom Aussterben bedrohte Art, könnte man sagen, denn bis 2025 fehlen in NRW rund 15.000 Lehrkräfte im Primar- und Sekundarstufen I-Bereich.
Höchste Zeit zu handeln, findet der VBE.

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Anne Deimel

Interviews zum Thema Grundschule

mit Anne Deimel,
stellv. Landesvorsitzende VBE NRW 

Kein stilles Warten auf den Masterplan Grundschule
(Schule heute)
Als Reaktion auf das schlechte Abschneiden im IQB-Bildungstrend kündigte Schulministerin Gebauer den Masterplan Grundschule an.
Auf den Prüfstand sollten vor allem die Unterrichtsmethoden der Grundschullehrkräfte.
Das war im Oktober 2017. 

Grundschullehrerin: anspruchsvolle Arbeit, schlechte Besoldung
(WDR 2 Hörfunk)
Die Grundschule ist zum Sorgenkind geworden: Immer weniger Lehrer wollen dort arbeiten. Ein Grund sei die Besoldung, sagt Anne Deimel, Grundschullehrerin in Arnsberg und Leiterin des Referats Grundschule im Verband Bildung und Erziehung NRW. Außerdem sei die Arbeit sehr anspruchsvoll, weil sehr heterogene Klassen unterrichtet werden müssten. 

Foto: VBE NRW

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VBE-Denkanstoß Grundschule

Grundschulen in NRW – Daten, Fakten, Kommentare

Der vorliegende Denkanstoß soll dazu beitragen, einen Überblick über die Schulform Grundschule zu erhalten, ihre Bedeutung für das gesamte Schulsystem zu verdeutlichen, um letztlich über qualitative Standards in der Grundschule sprechen zu können.

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100 Jahre Grundschule in Deutschland*

Mit der Weimarer Reichsverfassung entstand eine neue Schulform

Die erste Schule für alle 

* Artikel aus RP online vom 27.07.19

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Zum Jubiläum der Grundschule als eigenständige Schulform*

Für den Vorsitzenden des VBE Solingen, Jens Merten, ist das nicht nur ein Grund zum Feiern

* Interview aus RP online vom 29.0719

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Unzureichende Finanzierung, schlechte Arbeitsbedingungen*

Lehrerverbände schlagen zum Jubiläum Alarm

In diesen Tagen jährt sich die Einführung der Grundschule in Deutschland zum 100. Mal. Mit der neuen Reichsverfassung nach Ende des Ersten Weltkriegs sollte mit einer Schule für Kinder aus allen Schichten die Grundlage für ein demokratisches Gemeinwesen gelegt werden. 

* Artikel aus News4Teachers vom 03.08.19

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Übergabe der Grundschulpetition als Reaktion auf die IQB-Ergebnisse an Schulministerin Gebauer

Es ist fünf nach zwölf. Bessere Rahmenbedingungen für Grundschulen jetzt!

VBE-Gesundheitstag

Die Grundschulen in NRW sind seit Jahrzehnten absolut unterfinanziert. Es ist überfällig, das zu ändern. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist noch viel Luft nach oben. Der VBE fordert Frau Gebauer auf, einen Masterplan Grundschule umzusetzen, der die Wertschätzung der Arbeit der Grundschullehrkräfte im Fokus hat.

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Grundschulumfrage zeigt Wirkung

Ergebnisse sind Gegenstand der Plenardebatte im Landtag NRW am 09. Juni 2016

Die vom VBE am 01.06.16 veröffentlichten Ergebnisse der Grundschulumfrage, an der sich 1245 Schulen beteiligt haben, zeigt Wirkung. Die begleitende Pressemitteilung ist Ihnen zur Kenntnis bereits zugegangen.

Aufgrund der Anträge von CDU/FDP sowie der Piraten wird das Parlament des Landtages Nordrhein-Westfalen sich im Rahmen einer aktuellen Stunde am 09. Juni mit den Pro-blemen der Grundschulen wie folgt befassen:

  • Die Grundschule als "Stiefkind" der Landesregierung: Welche Maßnahmen wird die rot-grüne Koalition angesichts der erschreckenden Ergebnisse der jüngsten VBE-Umfrage zur Situation der Grundschulen in Nordrhein-Westfalen ergreifen?
    Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP, Drucksache 16/12179

  • Grundschulen "Stiefkinder" der Bildungspolitik in NRW - Unterrichtsbedingungen in den Grundschulen müssen verbessert werden!
    Antrag der Fraktion der PIRATEN, Drucksache 16/12178

Der VBE wird weiter am Ball bleiben, damit seine Forderung nach einem Masterplan Grundschule erfüllt wird.

Ergebnisse hier:  Analyse des VBE zur Situation der Grundschulen

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Kein stilles Warten auf den Masterplan Grundschule

Als Reaktion auf das schlechte Abschneiden im IQB-Bildungstrend kündigte Schulministerin Gebauer den Masterplan Grundschule an. Auf den Prüfstand sollten vor allem die Unterrichtsmethoden der Grundschullehrkräfte. Das war im Oktober 2017.

25.02.2013
Anmerkungen zur Inklusionsdebatte

Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention stellt Schulen vor erhebliche Herausforderungen. In der Inklusionsdebatte sind bis jetzt keine Perspektiven erkennbar, die darstellen, wie die Umsetzung der Inklusionsidee mit Sicherheit gelingen könnte. Umgekehrt kann man prognostizieren, dass sie ganz sicher nicht gelingen wird, wenn eine Reihe von Unklarheiten, Fehlannahmen und Nachlässigkeiten nicht beseitigt werden.

26.09.2011
Gutachten zur Erhaltung von Grundschulen in NRW
Auch Grundschulstandorte – vor allem in dünn besiedelten Regionen - sind nicht weniger vom demografischen Wandel betroffen, was allerdings von der Landespolitik noch nicht hinreichend registriert worden ist. Das Gutachten „Kurze Beine – kurze Wege“ zeigt deutlich, dass akuter Handlungsbedarf besteht, um die Situation in den Grundschulen insgesamt zu verbessern.
© annelilocke/photocase
Schöne Ferien

Der VBE wünscht allen eine erholsame unterrichtsfreie Zeit.

 

Grafik: VBE NRW
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Grafik: VBE NRW
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Schuljahr 2019/2020

Grafik: thomas-bethge / istockphoto.com
Schule heute

Ausgabe 070819


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